Nach ein paar Tagen auf der Fachkonferenz Mensch und Computer 2010 sind wir nun Dienstag Nacht aus Duisburg wiedergekommen. Initialzünder für diesen geistreichen Ausflug war das englischsprachige Papier von Matthias und mir mit dem Namen Folder Windows as Canvas, welches nun auch hier jedem zur Einsicht steht. Erwähnenswert ist an dieser Stelle evtl. noch kurz vorweg die als Best Paper gekürte Einreichung, INTUI heißt die Veröffentlichung und beschreibt die Ausarbeitung eines Fragebogens zur Erhebung des Grades an Intuitivität den eine Benutzerschnittstelle hat. Wer diese Wissenschaftspraxis nun theorisieren möchte, der kann hier ja einfach mal diesbezüglich kommentieren, dann mache ich daraus nochmal einen extra Blogbeitrag, nun aber zu meinem eigentlichen Beitag.
Die von uns geplante Vorführung des fleißig entwickelten Prototypen konnten wir leider nicht wie geplant vorführen, am Abend vor dem Workshop haben wir zuletzt getestet und ich habe dabei leider feststellen müssen das für eine Demo meine Vorbereitungen nicht ausreichend waren, eine Lücke im Nautilus Plugin konnte ich so kurzfristig nicht mehr schließen. Nicht nur deswegen folgt hier dann nochmal ein ausführlicher Beitrag der sich dann ganz dem nun schon mehrfach erwähnten Folder-Canvas-Dingsda widmet, dann auch gleich in englischer Sprache und Videomitschnitt. Nun, nach einer kurzen Vorstellungsrunde von allen Workshop-Teilnehmern und der interessanten Auswertung der Ergebnisse der kleinen PKM-Umfrage wurden die Autoren der eingereichten Papers um ihre Positions Statements gebeten. Nur entgegen meiner Erwartung drehten sich diese Positions-Statements nicht mehr um den Inhalt unseres Papers, sondern wir wurden gebeten auf die folgenden drei Fragen für die Runde einzugehen. Hätte ich die Mail der Organisatoren ausführlicher studiert, wäre mir das bereits im Vorfeld schon klar gewesen und es wäre nicht so überraschend gekommen.
1) What is your view of the field of PKM ?
2) What is your contribution to PKM ?
3) What is missing / What do you need from others ?
Daraufhin habe ich unsere Folder Canvas Überlegungen eingepackt und in der Kaffepause versucht meine Antworten zu finden. Ich denke das mir das auch ganz gut gelungen ist, denn zumindest hatte der Anfang etwas mit “vagen Assoziationen” zu tun und schnitt dabei kurz die “expressive” Richtung die ich in einer Leinwand für den Benutzer sehe. Als Antwort auf die erste Frage schmiss ich folgende Sicht von dem Feld PKM in die Runde: “PKM is about managing me and at least for me I can say, I am not managable. Zum Ende, auf die Frage hin was wir denken was uns fehlt bin ich dann noch irgendwie bei “Fach- und Institutionsübergreifender Community of Practice” gelandet und so denke ich, würde ich das immer noch antworten.
Nach einer kurzen Umfrage in die Runde haben wir gemeinsam beschlossen ḱeine ausgiebige Tools Session mehr nach der Mittagspause zu machen, sondern dies informell in der Mittagspause und im kleineren Kreis der Interessierten zu erledigen. So kam es dass ich für ein paar Interessierte Mittagessende eine abgespeckte Folder Canvas Demo gemacht habe und nach einem Platzwechsel Jiri den so langsam aus der Mittagspause eintrudelnden Teilnehmern einen Einblick in den aktuellen DeepaMehta Client geben konnte.
Danach haben wir uns dann wieder gemeinsam den Fragen des Workshops zugewandt und dabei versucht mit der gesamten Gruppe in das Forschungsbecken PKM einzutauchen um am Ende dann irgendwie wieder an den Rändern aufzutauchen. Insgesamt haben sich zum Schluß einige interessante Fragen an der Tafel gesammelt, einen Überblick dazu werden die Organisatoren wohl bald auch noch an geeigneter Stelle ins Netz stellen. Dabei sind einige Teilnehmer auch, ganz im Gegensatz zu mir, mit ihren Gedanken über die Feststellung “es war ein interessanter Tag mit netten Teilnehmern und einigen Positionen zum Thema” hinausgekommen.
Was alle Teilnehmer gemeinsam äußerten war ihr Interesse an der Einrichtung und Etablierung einer sog. Community of Practice in der sich Anwender und Forscher aus unterschiedlichsten Arbeitsgebieten über kreative Methoden und ihre individuelle Wirkung austauschen können und das jeder Interessierte dann auch davon profitieren kann.
Mensch und … from *t on Vimeo.
(den Film einfach leiser drehen, der dreht sich dann auch schön in Endlosschleife
)
Insgesamt war unser Besuch in Duisburg auch mit zufälligen und stets erfreulichen Kontaktaufnahme mit netten Menschen und klugen Köpfen gekennzeichnet. Zum Beispiel trafen wir dort auf einige Bekannte aus Berlin, u.a. meine nette Diplom-Betreuerin Frau Prof. Dr. Merceron zum Mittagessen. Außerdem noch einen der bootlab Pioniere und so konnten wir uns dann gemeinsam bei einem viel zu kurzen Gespräch rund um die Themen Radio, Psychologie und Hypertext entspannen. Leider waren am Montag und Dienstag die paar zusätzlich von uns ausgewählten Sessions aus den Tracks der Usability Professionals und der DeLFI e-Learning Subkonferenz nur mittelmäßig in ihrem Niveau.
Die Keynote des Tracks Entertainment Interfaces war aus meiner Sicht auch nicht wirklich der Hammer, aber trotz der insg. 60 Minuten und dem 10 Uhr Frühstart hörenswert, gerade auch weil der Vortragende sein Verständnis von “Designing Experience” anschaulich mit der “Experience” des Besuchers eines Themenparks darstellen konnte. Die Vorstellung seines praktischen Medienkunst-Projekts Day of the Figurines welches das Mixed Reality Lab in Zusammenarbeit mit einigen Künstlern im Hebbel am Ufer hier in Berlin durchgeführt hat, konnte zwar auch einen konkreten Bezug dazu beim Zuhörer herstellen, dieses nette Spiel hätte aber meines Erachtens noch viel besser präsentiert werden können. Nun gut, meist ist die Vorbereitungszeit für so einen Talk auch nicht gerade üppig, ich weiß auch gar nicht ob jemand für Keynotes im allgemeinen bezahlt wird. Mit diesem speziellen Thementrack haben die Konferenzveranstalter, zumindest laut Webseite, versucht sich dem Motto “interaktive Kulturen” etwas anzunähern doch mich würde jetzt mal interessieren was denn Kulturwissenschaftlern zu diesem freshen Motto eigentlich so alles einfallen würde. Vielleicht treffe ich ja bald mal ein paar und kann Sie dazu befragen.
2011 heißt es dann in Chemnitz: übermedien übermorgen auf der MuC und organisiert wird diese dann vom Fachbereichsleiter der Medieninformatik an der TU Chemnitz. Leider sind die Wortspiele auf dem Einladungstext des Flyers (den ich hier vor mir habe) so mittelmäßig wie der Titel, so das mir in der gesamten Mischung fast schon etwas die Vorfreude darauf vergeht. Zusammengefasst steckt dahinter allerdings der Aufruf zu einem Designcontest im Rahmen der MuC 2011 und in diesem werden Designer gefragt wie sie sich unser Leben in 50 oder 100 Jahren vorstellen. Wo nun dafür die ganzen Designer herkommen sollen ist mir zwar noch etwas schleierhaft, aber mit diesem Ausblick ist schluß für Heute, vieleicht konnte ich euch damit interessieren, zumindest jedoch informieren. Nun also: Back to the future mit euren Gedanken, das war die Schnellversion meiner MuC 2010 Experience.
Ein besonders großer Dank gilt der lieben Nicola, Sie hat diese Reise erst ermöglicht, ohne ihre freundliche Unterstützung hätten wir uns für die Teilnahme an diesem durchaus bereichernden Erlebnis wohl nicht entschieden.